Es gab eine Zeit als die Straße noch belebt war mit Autos. An den Bürgersteigen waren Geschäfte und es herrschte ein heiteres Treiben. Asphaltiert war die Straße, der Bürgersteig mit Beton ausgelegt. Meine Mutter erzählte mir einmal, dass es hier vereinzelt Bäume gab und einen Park. Ich hatte schon einmal einen Baum gesehen, als wir auf einem Klassenausflug im Museum waren, aber was ein Park war, vermochte ich mir nicht vorzustellen- eine riesige verschwendete Fläche nur mit Bäumen? Jedenfalls, der Park sollte einmal dort gewesen sein, wo jetzt unser riesiger Einkaufsladen mit Parkhaus stand.
In der Rush Hour bildete sich eine große Wolke voller Abgase über der Straße- überall waren keuchende Passanten zu hören und Kinder trugen Schutzmasken, als ob eine Epidemie ausgebrochen wäre, es sah irgendwie lustig aus, ich hatte eine mit einem Tiergesicht, ich glaube es war ein Tiger oder so. Dies war also das Bild meiner Kindheit.
Nach Jahren Abstinenz von meiner Straße beschloss ich das alte Bild meiner Kindheit wieder aufleben zu lassen…die gute alte Zeit. Ich fuhr mit meinem Jeep in die Stadt meiner Kindheit. Als ich hineinfahren wollte war dort eine Mauer mit einem Hinweisschild, von hier aus zu Fuß weiterzugehen, wieso war die Stadt zur einer Festung geworden? Was ich nun zu sehen bekam, schockierte mich völlig. Das war nicht mehr meine Straße. Der Asphalt war weg und war ersetzt durch einen braunen, erdigen Weg. Der Fußweg existierte gar nicht mehr. Er war nun besetzt mit Bäumen bis das Auge reichte, die Läden waren hinter den Bäumen versteckt, aber sie existierten noch.
Mein Erstaunen schien mir aus dem Gesicht abzulesen zu sein, da mich ein jeder Mensch ansah. Keiner trug mehr Masken, mich wunderte es, da mir das Atmen zunehmend schwerer fiel, die Luft roch so anders und der Himmel war so hell, dass mir die Augen brannten. Ich war völlig aufgelöst.
Ich wollte nun den riesigen Einkaufsladen sehen, doch nach fünf Minuten Fußweg schmerzten mir die Beine- keinen Schritt konnte ich mehr tun, das Atmen war kaum noch möglich und meine Augen konnte ich so gut wie gar nicht mehr auftun.
Plötzlich kam es mir vor wie eine Erscheinung- Motorengeräusche- ein Bus. Ich stieg ein und fuhr nun bis zu dem Einkaufsladen, doch die Orientierung fehlte mir. Alles sah so anders aus.
Glücklicherweise erkannte ich das Haus unserer Nachbarn, dass direkt neben dem Einkaufsladen gestanden hatte, dessen Fassade jedoch wohlgemerkt, wieder einen weißen Farbton angenommen hatte. Ich stieg aus und mein Herz blieb beinahe stehen, der Laden war nicht mehr da- das ist also ein Park. Voller Erstaunen, jedoch mehr mit Entsetzen, betrat ich den Park, aber meine Lunge wollte nicht mehr. Ich setzte mich auf eine Bank und versuchte mich zu fangen. Ich schloss meine Augen und konzentrierte mich nur auf das Atmen. Meine Lunge rasselte und ich fing an zu röcheln- es fühlte sich an, als ob sie gleich explodieren würde...
Dann war ich tot. Getötet vom grünen Gift der Bäume…
Werden wir irgendwann nicht mehr ohne unsere Abgase leben können? Was wäre wenn sie nicht mehr existieren würden?
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