Samstag, 23. August 2008

Der leichte Weg

Ich reiste auf einer Landstraße und zog einen kleinen Wagen hinter mir her. Auf diesem Wagen hatte ich nur die Dinge, die man für eine Reise brauchte: etwas zu Essen, eine Decke für die kalten Nächte und, was viele verwundern wird, einen großen Stein. Ich hatte speziell den Sommer für die Reise gewählt, da man im Freien schlafen konnte. Zu meinem Pech jedoch regnete es die meiste Zeit und der Weg war schlammig, so dass es schwer fiel den Wagen zu ziehen- die Räder blieben oft stecken und ich musste sehr oft ziehen, was dazu führt, dass ich nur langsam voran kam. Ich beschloss also, den Stein zurückzulassen. Auf einmal ging die Reise schneller voran und ich konnte mein Ziel schnell erreichen. Ich kam zu dem Haus mit den Apfelbäumen, die ich so lange schon besuchen wollte. Die Äpfel sollten herrlich schmecken, da sie, den Erzählungen nach, sehr saftig waren. Ich stellte also den Karren ab und lief zu den Bäumen um mir einen Apfel zu nehmen. Zu meinem Bedauern merkte ich, dass die Bäume ziemlich hoch gewachsen waren und ich dadurch nicht an die Äpfel herankommen konnte. Also suchte ich auf dem Boden nach Fallobst, um es mir leichter zu machen. Ich hebte also einen Apfel vom Boden auf. Diesen ließ ich jedoch wieder schnell fallen- er war ganz weich und verdorben. Ich suchte lange nach einem essbaren Apfel, aber alle waren verdorben. Resigniert setzte ich mich hin und war enttäuscht, dass ich so eine lange Reise auf mich genommen hatte, ohne auch nur einen Apfel zu probieren. Plötzlich fiel mir der Stein, den ich zurückgelassen hatte, wieder ein. Er wäre groß genug gewesen, um mich auf ihn zu stellen und die Äpfel von den Bäumen zu ernten.

Ich ärgerte mich. Vielleicht hätte die Reise ein wenig länger gedauert mit dem Stein als Ballast, aber ich hätte nun das erreicht, wofür ich hergekommen war. Nun war es umsonst gewesen. Betrübt und enttäuscht, nahm ich meinen Karren und machte mich auf den Weg zurück- ich verspürte keinerlei Motivation und meine Kräfte ließen auch langsam nach. Meine Wut und Trauer wurde immer größer. Sie zerfraß mich fast innerlich. Ich spürte wie meine Beine langsam nachgaben und ich musste den Karren zurücklassen, da ich es sonst niemals geschafft hätte, weiter zu gehen. Nun hatte ich auch nichts mehr zu essen und auch keine Decke, die mich wärmte. Doch es war mir egal. Ich hatte nicht, dass bekommen, wofür ich die ganzen Strapazen auf mich genommen hatte und dadurch schwand mir der Lebensmut. Da begann es wieder heftig zu regnen. Meine Füße blieben im schlammigen Boden stecken und ich konnte sie kaum noch herausziehen. Plötzlich stolperte ich und fiel mit meinem Gesicht in den Schlamm. Ich wollte mich aufraffen, doch mein Körper gab auf…

Ich erstickte im Schlamm.

Wisst ihr über was ich gestolpert war? Es war der große Stein…

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